Zur Therapie

Salzburger Arbeitskreis für Psychoanalyse

Der Anspruch Freuds, mit der Psychoanalyse sowohl ein Behandlungsverfahren psychischer Störungen als auch eine Theorie ihrer Entstehung und eine allgemeine Psychologie zu begründen, ergab sich für ihn aus der wechselseitigen logischen Bedingtheit dieser 3 Aspekte. So waren für ihn die Wahrheit psychoanalytischer Erkenntnis und die Wirksam­keit ihres Verfahrens untrennbar verbunden. Zu Recht konnte er sich darauf berufen, seine bahnbrechenden Erkenntnis­se in einzelnen Behandlungen gewonnen zu haben; aus der Rekonstruk­tion des einzelnen Falles hatte er generalisierende Struktur-Annahmen abgeleitet, die für die dama­lige Berufsgruppe in weitem Umfang als gesicherte Erkenntnisse gelten konnten.
Thomas Pollak: Über die berufliche Identität des Psychoanalytikers. Versuch einer professionstheoretischen Perspektive.

 

Psychoanalyse und Psychoanalytische Psychotherapie stellen heute in unserer Gesellschaft einen konstituierenden und bedeutsamen Bereich psychotherapeutischer Versorgung und Behandlung dar. Ihre klinische Theorie und Praxis beziehen sich dabei zentral auf das Freudsche Konzept des Unbewussten, jenes für uns nicht direkt, sondern nur in seinen Abkömmlingen wie Träumen, oder Fehlleistungen zugänglichen psychischen Bereichs, aus welchem menschlichem Erleben und Verhalten grundlegende Inhalte und Impulse zukommen. Anliegen Psychoanalytischer Therapie ist es, die Wirksamkeit dieses Unbewussten (an)zu erkennen und erlebte Defizite, innere Konflikte oder Symptome wie Angstzustände oder Zwangshandlungen als Konditionen unseres Lebens in ihrer Bedeutung und Sinnhaftigkeit verstehen zu lernen. Einsicht, Bewusstheit und Akzeptanz dieser Phänomene, die im therapeutischen Feld von Beziehung und Professionalität entstehen können, sind als Voraussetzung jeder möglichen Entwicklung zu betrachten. Dem Analytiker kommt dabei vor allem die Aufgabe eines teilnehmenden, aber nicht wertenden Zuhörens, Klärens und Zusammenfügens divergierender Bedeutungen zu. Die Lebensgeschichte des Analysanden wird dabei als Entstehungsgeschichte für seine Gegenwart begriffen und ihre szenische Wiederbelebung in der psychoanalytischen Situation als Übertragung aus der Vergangenheit bildet die Basis der Behandelbarkeit und der Veränderung innerhalb der konkreten therapeutischen Beziehung.